Parfüm aus den USA oder UK bestellen
Veröffentlicht am 04.10.2026
Der verlockende Preis im Ausland
Du vergleichst Preise und ein Anbieter in den USA oder in Großbritannien bietet denselben Duft deutlich günstiger an als jeder Shop in der EU. Bevor du auf Bestellen klickst, lohnt sich aber ein Blick auf das, was am Ende zusätzlich zum Artikelpreis draufkommt. Wer Parfüm aus USA bestellen möchte und dabei den Zoll übersieht, erlebt beim Abholen des Pakets manchmal eine unangenehme Überraschung.
Der niedrige Angebotspreis ist nämlich nur ein Teil der Rechnung. Bei Bestellungen aus Ländern außerhalb der EU kommen in aller Regel weitere Kosten hinzu, die den vermeintlichen Preisvorteil ganz oder teilweise auffressen können.
Im Folgenden schauen wir uns an, welche Abgaben bei Bestellungen aus den USA oder aus UK anfallen können, warum das bei UK seit dem Brexit anders ist als früher, und worauf du beim Versand von Parfüm zusätzlich achten solltest.
Einfuhrumsatzsteuer seit Juli 2021
Seit Juli 2021 fällt die EU-Einfuhrumsatzsteuer bei Warensendungen aus Nicht-EU-Ländern grundsätzlich ab dem ersten Euro Warenwert an. Die früher geltende Freigrenze von 22 Euro, unter der kleinere Sendungen steuerfrei blieben, ist damit weggefallen. Das bedeutet: Auch ein günstiger Flakon für 30 Euro aus den USA ist von dieser Steuer betroffen, nicht erst ein teures Set.
Der Steuersatz richtet sich nach dem Normalsatz, also dem regulären Mehrwertsteuersatz des Ziellandes, in das die Ware eingeführt wird. In Österreich liegt dieser Normalsatz beispielsweise bei 20 Prozent, in Deutschland bei 19 Prozent. Das sind ausdrücklich nur zwei Beispiele, andere EU-Länder haben eigene Sätze, die hier nicht vollständig aufgelistet werden, weil sie sich ändern können und je nach Land unterschiedlich ausfallen.
Zoll kann zusätzlich anfallen
Neben der Einfuhrumsatzsteuer kann zusätzlich Zoll anfallen. Seit dem 1. Juli 2026 ist die frühere Freigrenze für Sendungen bis 150 Euro Warenwert weggefallen. Bestellungen bis zu diesem Wert sind nicht mehr zollfrei, stattdessen gilt dafür ein pauschaler Zoll von 3 Euro je Warenposition. Bei einem Warenwert über 150 Euro hängt der Zollsatz weiterhin vom Warenwert und vom Herkunftsland ab. Konkrete Zollsätze lassen sich dafür pauschal nicht seriös nennen, weil sie von mehreren Faktoren abhängen und sich ändern können.
Für dich als Käufer heißt das praktisch: Rechne bei einer Bestellung aus einem Nicht-EU-Land immer mit der Einfuhrumsatzsteuer als sicherem Kostenpunkt, addiere bei einem Warenwert bis 150 Euro den pauschalen Zoll von 3 Euro und behalte im Hinterkopf, dass oberhalb dieser Grenze ein höherer, variabler Zoll möglich ist, dessen genaue Höhe du vorab nicht immer exakt kennst.
Ein Rechenbeispiel
Angenommen, ein Parfüm-Flakon aus den USA kostet umgerechnet 60 Euro, dazu kommen 15 Euro Versandkosten. Der Warenwert für die Einfuhrsteuer setzt sich meist aus Artikelpreis und Versandkosten zusammen, hier also 75 Euro. Bei einem angenommenen Steuersatz von 19 Prozent, wie er in Deutschland als Normalsatz gilt, wären das rund 14,25 Euro Einfuhrumsatzsteuer. Damit läge der Zwischenbetrag bei ungefähr 89 Euro. Da die Sendung unter 150 Euro Warenwert bleibt, kommt seit dem 1. Juli 2026 noch der pauschale Zoll von 3 Euro dazu, der Endpreis läge damit bei rund 92 Euro. Diese Zahlen sind ein reines Rechenbeispiel mit angenommenen Werten, keine feste Vorhersage für einen echten Kauf.
UK seit dem Brexit: nicht mehr wie ein EU-Land
Großbritannien ist seit dem Brexit im Jahr 2021 nicht mehr Teil der EU und auch nicht mehr Teil des EU-Binnenmarkts. Für Käufer in der EU bedeutet das: Bei Bestellungen aus UK gelten grundsätzlich dieselben Einfuhrregeln wie bei anderen Ländern außerhalb der EU, also ebenfalls Einfuhrumsatzsteuer ab dem ersten Euro Warenwert und möglicher zusätzlicher Zoll.
Viele Käufer unterschätzen das, weil UK geografisch und kulturell nah an der EU liegt und man sich an die frühere Zeit ohne solche Abgaben erinnert. Seit dem Brexit ist eine Bestellung aus London preislich in dieser Hinsicht mit einer Bestellung aus New York vergleichbar, jedenfalls was Einfuhrsteuer und Zoll betrifft.
Parfüm gilt beim Versand oft als Gefahrgut
Parfüm enthält Alkohol und wird beim Versand deshalb häufig als Gefahrgut eingestuft, genauer als entzündliche Flüssigkeit. Das hat praktische Folgen: Manche Versandwege sind für solche Sendungen nicht zulässig, etwa bestimmte Formen des Luftfracht-Standardversands, und manche Shops liefern Parfüm deshalb gar nicht in bestimmte Länder oder nur mit speziellen, oft teureren Versandarten.
Das ist auch der Grund, warum manche internationalen Anbieter Parfüm nicht in dein Land verschicken, selbst wenn der Artikelpreis attraktiv wäre. Es liegt nicht an fehlendem Interesse, sondern an den Vorgaben, die für den Versand entzündlicher Flüssigkeiten gelten.
Was das für deinen Preisvergleich bedeutet
Wenn du Angebote aus den USA oder UK mit Angeboten aus der EU vergleichst, reicht ein Blick auf den reinen Artikelpreis nicht aus. Sinnvoll ist es, den Endpreis zusammenzurechnen: Artikelpreis plus Versandkosten plus die geschätzte Einfuhrumsatzsteuer, und wo möglich auch einen Sicherheitsposten für einen eventuellen Zollbetrag einzuplanen. Erst dieser Gesamtpreis lässt sich fair mit einem Angebot aus einem EU-Land vergleichen, bei dem diese Zusatzkosten in aller Regel nicht anfallen.
- Artikelpreis in Euro umgerechnet
- Versandkosten
- Geschätzte Einfuhrumsatzsteuer zum Normalsatz deines Ziellandes
- Möglicher, vorab nicht immer exakt bekannter Zollbetrag
Erst wenn all diese Posten zusammengerechnet sind, siehst du, ob ein Angebot aus den USA oder aus UK am Ende wirklich günstiger ist als ein vergleichbares Angebot aus der EU, oder ob der vermeintliche Preisvorteil durch Steuer, möglichen Zoll und Versandkosten wieder aufgezehrt wird.
Rücksendung bei Bestellungen außerhalb der EU
Innerhalb der EU gilt bei Online-Käufen grundsätzlich ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Bestellst du dagegen bei einem Anbieter außerhalb der EU, etwa in den USA oder in UK, hängt es vom jeweiligen Shop ab, welche Rückgabebedingungen gelten, und eine Rücksendung über die Grenze hinweg kann zusätzlichen Aufwand und eigene Versandkosten bedeuten. Lies deshalb die Rückgabebedingungen eines nicht-europäischen Anbieters vor dem Kauf durch, statt dich auf die gewohnten EU-Regeln zu verlassen.